Gedanken zur Dokumentation Pre-Crime

Pre-Crime, ein großartiger Film von Monika Hielscher und Matthias Heeder zum Thema Datenschutz und predictive policing, wird uns alle noch lange beschäftigen. Spontane Gedanken nach der Premiere des Films, notiert zur späteren Recherche und Inspiration.

Es gilt, die Ambivalenz zum Ausdruck zu bringen, die die moderne Technik beziehungsweise deren Errungenschaften mit sich bringen: „Was geben wir für das Gefühl der Sicherheit eines uns mittels unserer Daten überwachenden Staates ab und was damit auf?“

Algorithmen bergen „technologischen Rassismus“ in sich, denn wir werden als Bürger einer informationellen Behandlung unterzogen, ohne dass wir davon wissen – und ohne die Möglichkeit, diese Behandlung zu unterbrechen oder sie zu verlassen.

Die Gesetzgebung, die uns davor schützen soll, ist zu langsam, um auf die immer komplexer werdenden Systeme reagieren und sie zu justieren zu können. Immer komplexer werdende Systeme neigen, wie die Wissenscahft zeigt, zu Chaos. Und Chaos ist oftmals die Grundlage für Diktaturen oder ihr Grundstein.

Es sind Technoregeln, die unsere Gesetze ersetzen, gemacht von Systeme, die nicht demokratisch legitimiert sind. Der Bordcomputer, der mich hindert, unangeschnallt Auto zu fahren, verbessert meine Sicherheit und nimmt mir gleichzeitig die Freiheit oder Möglichkeit, mich anders zu entscheiden. Ein Diktat der Technik – die KI (oder: eine KI) übernimmt das Kommando.

Stichwort „Daten sind das neue Gold“: Nachdem Einnahmen durch Arbeit, Boden oder Kapital entstehen, mit allen dreien aber nicht mehr viel geht, bleiben die Daten als einzige „neue beziehungsweise noch ausbeutbare“ Quelle der Wertschöpfung. Angela Merkel ruft diese zum „Gold“ aus, da nur damit Wachstum erzielt werden kann. Ohne Wachstum kollabiert aber das System …

Digitalisierung an sich ist eine kulturelle Errungenschaft, über deren Auswirkungen zu wenig nachgedacht wird. „Es sind doch nur Daten“ – vielen Menschen wird nicht klar, dass die Nachteile der Digitalisierung durchaus deren Vorteile überwiegen können. Wie die Freiheitsrechte sind auch Daten erst dann „spürbar“, wenn sie mal weg sind oder eingeschränkt werden. Sie sind nicht-stofflich. Alle Algorithmen basieren auf militärischer Technologie: „Alles, was Sie in dort sehen, ist letztlich Militärtechnologie“ (?)

Sich daraus ergebende Forderungen:

1. Ein TÜV für jegliche Form von Algorithmen: Veröffentlichung der False-Rate, Nachjustierungspflicht, Öffenlegung der Datenbasis, die den Berechnungen zugrunde liegt.

2. Schaffung der Möglichkeit für Geschädigte, aus dem Algorithmus/der Berechnung zu kommen, inklusive einer jährlichen Informationspflicht (siehe: Rentenversicherungs-Information).


Mein Dank geht an die Essayistin, Juristin und Unternehmerin Yvonne Hofstetter, die, ebenso wie der Produzent des Films, Stefan Kloos, bei der Preview des Films am 13. Oktober 2017 im Münchner Monopol-Kino anwesend waren und sich danach dem Publikum, unter anderem also auch meinen naiven Fragen gestellt haben. Frau Hofstetter, Sie haben mich sehr inspiriert. Reclaim Autonomy!

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