James live in Feldkirch: Ein Quantum Unsterblichkeit

IMG_2472Es gibt Bands und Künstler, die sich rar machen im deutschsprachigen Raum. Streisand, Mana, Alison Krauss, Dixie Chicks und so weiter. Und es gibt James. Madchester-Helden der Achtziger und Neunziger Jahre, everybody’s heimliche Lieblingsband mit Tim Booth, einem der formidabelsten Sänger der Popgeschichte: Die traten mindestens 20 Jahre lang n i e in Deutschland oder Österreich auf. Vielleicht auch generell noch nie, wer weiß. Doch dann die Sensation. Eine Show am 8. August 2013 in Feldkirch, Vorarlberg. Review einer ganz besonderen Begegnung.

Die Location, ein ehemaliges Schwimmbad, passend warm und eng für eine Clubshow. Das Publikum: Rund 800 Mitdreißiger und Anfangvierziger aus Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz, in freudiger Erwartung. Im Vorprogramm unter anderem der eigentlich im Programm vorgesehene Headliner des Abends (James wurden wohl erst später auf den Tag gebucht): Dry The River.

Deren weinerlicher Folk-Poprock der halbgaren Sorte nervte streckenweise, so dass die Erwartungen gegen 23 Uhr durchaus hoch waren; man will ja unterhalten werden und irgendwann wieder nachhause (jaja, das Alter!). James wurden vom ersten Takt so aufgenommen, wie man es macht, wenn man frisch verliebt ist und durch den Park tanzt: Euphorisch, mit einem Leuchten in den Augen und einem Dauergrinsen im Gesicht, das Herz weit geöffnet, schwebend vor Glück, ausgelassen. „A gmahde Wiesn“, sicherlich, aber Booth und seine Bandkollegen zeigten, dass James auch 2013 mehr sind als eine Hitabspielstation zur Belustigung von Altfans.

Die Songs munter variierend, ständig den Raum zur Improvisation nutzend, dem Fluss folgend, geprägt vom wunderbaren Gitarrenspiel von Larry Gott, untermalt vom umtriebigen Geiger Saul Davies und veredelt vom kongenialen Trompeter Andy Diagram ging es dahin. Rock, Electro, Melodien zum Niederknien, Charme und Wärme. Himmel auf Erden. Booth Präsenz: quasi die Definition des immer wieder durch Rezensionen geisternden „charismatischen Frontmanns“.

Die beiden Songs am Anfang, „Out To Get You“ und „Oh My Heart“ zeigen, dass die Reise zum einen in die Vergangenheit geht, zum anderen aber auch im jüngeren Werk der Band Perlen stecken, „Oh My Heart“ datiert aus dem Jahre 2008, „Out To Get You“ aus 1993. So war auch Platz für das frische Songs und Sperrigeres, aber natürlich rissen die alten Gassenhauer wie „Sit Down“, „Laid“, „Sometimes (Lester Piggot)“, „Say Something“, „Born Of Frustration“ oder sich das in Fankreisen seit dem Release 2001 immer größerer Beliebtheit erfreuende „Gettin‘ Away With It“ das Publikum am stärksten mit.

Wundervolle Melodien mit Texten, die zum selig-entrückten Mitsingen so sehr einluden, dass Booth des Öfteren mit einem Grinsen auf der Bühne stand und auf eigenen Volkaldarbietungen verzichtete.

… Help comes … when you needed most … I’m cured by laughter … Mood swings not sure I can cope – My life’s in plaster (in plaster!)
Oh sit down, sit down next to me sit down with sympathy
Say SOMETHING say SOMETHING … ANYTHING! (und dabei die Hände in Richtung Hallendecke strecken und grenzdebil nach oben blicken)
Sometimes … when I look deep in your eyes I swear I can see your soul
… Getting away with it All messed up that’s called living (und sich dabei Bier über den Kopf schütten …)

… Oder dass er einfach, wie bei „Sit Down“, durch das Publikum wanderte. Eine der Zugaben sang Booth auf den Schultern eines Fans stehend. Und lächelte seine Bewunderer mit seltsamem Lächeln an. Ich habe Euch bekehrt …? Schließlich war er ja auch mal in einer Sekte. Und eine kleine, zauberhafte Belehrung gab es von Meister Tim obendrauf, als die Band den Zugabenblock mit dem eher ruhigen „Dream Thrum“ eröffnete und nicht mit den erwarteten Singalongs: „Let go the expectations and enjoy the random“. Weise!

Als Rausschmeisser nach knapp zwei Stunden Show dann „Gettin‘ Away With It“, das Publikum auf der Bühne, tanzend, entrückt. Was für ein gigantischer Abend, Stichwort: Lebenstraum, „I kannt plärra vor Glück“ (thanks, P. aus T., für die Erweiterung der eigenen Idiom-Bibliothek). ms, copyright

Setlist James in Feldkirch, Poolbar Festival, 08.08.13

Out To Get You
  Oh My Heart
Seven
  Ring The Bells
Movin On
  Sit Down
  Play Dead
  P.S.
  Dust Motes
  Five-O
  Say Something
  Born Of Frustration
  Curse Curse
  Jam J 
  Come Home
  Sound
  ---
  Dream Thrum
  Sometimes (Lester Piggot)
  Laid
  ---
  Gettin' Away With It
 

P.S.: Am 29. Mai 2008 drehte die Crew des James Bond Films „Ein Quantum Trost“ eine Szene mit Bond in Feldkirch. James Bond in Feldkirch, James in Feldkirch. Wer mag an einen Zufall glauben? Und wenn, dann ist es ein sehr, sehr schöner.

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