„Der Placido Domingo“ (Ringsgwandl)

Es war der 24. April 1989, als „Trulla! Trulla!“ erschien, die wunderbare CD des damals noch jungen Kabarettisten und Musikers Ringsgwandl (auf dem nicht weniger wunderbaren Label Trikont). Darauf war und ist der Song „Der Placido Domingo“, der das Live Entertainment wunderbarst auf die Schippe nahm.

Stichworte wie Live-Boom, verrückte Konzertbesucher, Massenhysterie, Startum – Ringswandl hatte mit dem Song alles vorweggenommen. (Nicht nur) dafür gebührt ihm der Einzug in die Hall of Fame der Kasse4.Übrigens: Soviele Songs, die sich mit dem Phänomen Live beschäftigen, gibt es ja auch wieder nicht. Oder? Vorschläge bitte rasch an die Kasse4! m.

Der Placido Domingo

Heit spuit da Placido Domingo in der Olympiahalle,
so ein menschlich feiner Zug, der spuit heit für uns alle.

i bin a wengerl damisch und vadruckt,
i bin a wengerl komisch, wer konn mir helfa?
I schau in Spiegel nei, ich bin verhärmt,
hollaho, ich hab das Lachen ganz verlernt,
i brauch wos, wos mi aufbaut, i muaß nei in das Gewühl,
sakra, sovui zünftig, des Gemeinschaftsgefühl!

Heit spuit da Bruce Springsteen, der gibt uns die Ehr,
der ladet seine Freunde ein zu einem Top Open Air,
er hat geheiratet, und zwar ein teures Fotomodell,
so eine Dame kostet Geld, die wohnt im First-Class-Hotel,
da braucht der Bruce massig Kohle, das seh ich ein,
und zahl ihm an der Abendkasse gerne fuchzig Markl ein.

Der Springsteen ist ein Muister an Höflichkeit,
weil er zwischendurch immer fragt: „Do you feel alright?“
Irgendwie ist der Typ insgesamt ja nicht verkehrt,
doch nach dem dritten Song, do hot se alles gleich oghärt,
net so tragisch, sogt mei Schwester, das kann schon mal passiern,
daß’d nach so einem Popkonzert ein bißl trulla bist im Hirn.

Aber heit, do gibts wos Gscheits, do gehts zum Michael Jackson,
der kloane mit de nossn Hoor, von dem de Leit so weg san,
ja mei, wos bin i high, der kann ja so schön singen,
und dann tut er gleichzeitig dabei noch so anmutig springen,
ja der Michael, der ist eitel, doch der Michael, der ist nett,
wiara oiwei rumgsprunga is und gsogt hot: „I’m bad, I’m bad, I’m bad.“

Nach dem Konzert war ich ganz verwirrt und i här mei Schwester sogn,
schau her, Papa, der is gaga, der hot den Laser net vatrogn!
Das einzige, was ich weiß jetzt, was es sicher total bringt,
ist wenn ein echter Startenor super klassisch singt,
achtzig Mark, sagt die Frau im Vorverkauf, wos, billiger gehts net ?
Naa, sogt sie, der Mann is’s wert, der singt Qualität!

Heit spuit da Placido Domingo in der Olympiahalle,
des is ein menschlich feiner Zug, der spuit heit für uns alle,
ja Leit, ja so a Freid, ist das nicht wirklich schön,
denn bis vor kurzem durfte sowas nur der Hochadel sehn.

Und die Frau Kurz, die unter uns wohnt, mit ihrem Buben, dem Ingo,
die war begeistert, und zwar restlos von dem Herrn Domingo.

Heit spuit da Placido Domingo in da Olympiahalle…..

Text und Musik: Ringsgwandl

Quelle/Copyright Georg Ringsgwandl: http://www.ringsgwandl.com/text16.htm

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