Nichts in Köln bleibt, EMI Music zieht um – Rückblick auf eine längst untergangene Ära

Vergangene Woche hat mich eine Meldung über EMI Music nachdenklich gemacht – nein, nicht über die Frage, wozu und ob man diese Major-Plattenfirma noch braucht. Sondern darüber, wie sich eine Branche in den vergangenen zehn Jahren verändert hat und wie Köln dabei irgendwie immer mit dabei war – mit seinen Menschen und Orten, die sich mit auf immer eingeprägt haben und Momenten, die ich nie in meinem Leben mehr vergessen möchte.

Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domit – Jammere den Dingen nicht nach

Also zunächst: EMI zieht im Sommer vom Mediapark in die Alte Wagenfabrik, soweit die News, die das Magazin „Musikmarkt“ unter die Leute brachte. Wo das ist? Ich weiß es nicht und es interessiert mich auch nicht mehr wirklich. Hoffentlich es es schön dort, damit die Mitarbeiter was davon haben, hoffentlich gehen die Fenster weiter auf als 30 Zentimeter auf und hoffentlich darf es dort bunt zugehen. Aber mehr interessiert mich nicht, denn wenn ich an EMI in Köln denke, fallen mir zunächst Menschen ein, mit denen ich lange sehr eng zusammenarbeitete, Menschen, die etwas besonderes waren und noch sind: Monika Riemke, die mittlerweile Monika Bruser heißt (wie mir XING glücklicherweise verriet), Ende des letzten Jahrtausends war sie Unternehmenssprecherin bei EMI. Oder Heinz Canibol und Roman Rybnikar, beides Leuchttürme in der Branche, damals die Chefs bei der Kölner EMI. Oder Udo Lange, auch er ein Leuchtturm.

Was soll dä Quatsch? – Stelle immer zuerst die Universalfrage

Weiter von Lange zu Dann Birgit Adels-oderso, den Namen musste man sich schon nicht mehr merken, aus der Modebranche war sie angeblich gekommen vor der Einstellung bei EMI, der heutige Chef heißt übrigens angeblich Wolfgang Hanebrink, freut mich für ihn. Oder nehmen wir Susanne Hort, jahrelang ein Paradebeispiel für ruhige, kluge und charmante Promotionarbeit. Bruser, Canibol, Rybnikar, Birgit irgendwas, Hort: Alle nicht mehr bei EMI. VIVA? Auch nicht mehr in Köln, aber das nur wirklich am Rande, hatte damals schon so gut wie niemanden richtig interessiert. Die Popkomm? Auch nicht mehr in Köln. No more Rich Hopkins im Underground, Michel van Dyke auf den Rheinterrassen, Robbie im Müngersdorfer Stadion, Joachim Witt auf dem Dach des Karstadt-Kaufhauses, Wolfgang Funk auf einem Partydampfer auf dem Rhein, Frau Doris vor dem Hyatt und irgendwo im nirgendwo der Nacht, Manowar auf dem Ringfest, erlebt von Birgits W.s Wohnzimmer-Fenster aus, gemeinsam mit ein paar Verrückten von Roadrunner, „Schlag‘ die Schlacht, Du hast die Wahl, ICH HAB EIN HERZ AUS STAHL“ gerührt gröhlend, glühend warme Augustnächte im Freien. Und, leider selbstverständlich: Auch Birgit ist nicht mehr in Köln.

Wat wellste maache? – Füge Dich in Dein Schicksal

Eben, nichts kann man machen, aber letztlich bedrückt mich die Erinnerung an alle diese Ereignisse, denn sie machten einen großen Teil des Zaubers aus, der für mich die Musikbranche umgab und der sie von den Büchsenplättern oder Zahnbürstenfabrikanten unterschied. Geschichten, Erlebnisse und Menschen am Rande der Chartserfolge, Absatzzahlen, Gold- und Platinverleihungen, Marketingkonzepte und POS-Aktivitäten. Und heute? Wird das zwölfte Umsatzminus der Branche in Folge als Erfolg gewertet. Darüber hätten die „Kölner“ von damals nicht mal gelacht, sondern eher beschämt zu Boden geblickt und geschwiegen.

Drinkste eine met – Komme dem Gebot der Gastfreundschaft nach!

Ja, das ist wohl das einzige, was machen könnte. Popkomm in Berlin ist übrigens auch keine Antwort auf das Ganze, bei aller Sympathie, aber: nein. Schön war’s in Köln, schön war es damals. m.

Anmerkung: Die Zwischenüberschriften sind einem kleinen Artikel aus der „SZ“ entnommen, es geht um die zehn Gebote von Moses, die wohl in Köln entstanden sein müssen, denn die „SZ“ verriet uns die „ware Geschischte mit dämm Moses un dänne zehn Rejeln“. Lesenswert!

Einer aus der tiefsten Vergangenheit hab ich noch, nettes Fundstück aus dem nie-vergessenden Internet: http://www.horizont.net/aktuell/leute/pages/protected/Monika-Riemke-leitet-Oeffentlichkeitsarbeit-bei-EMI_10175.html

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5 Antworten zu Nichts in Köln bleibt, EMI Music zieht um – Rückblick auf eine längst untergangene Ära

  1. Konrad Schwatze schreibt:

    Mein Name ist Konrad (Conny) Schwatze und ich habe von April 2001 bis August 2006 bei der EMI Music in Köln am Empfang gearbeitet. Ich blicke sehr, sehr gerne auf diese Zeit zurück, denn es war eine sehr schöne Zeit mit unheimlich tollen Menschen! Ich möchte die Gelegenheit nutzen und mich bei allen Mitarbeitern bedanken die zu dieser Zeit bei der EMI Music in Köln beschäftigt waren.
    Als 2006 Birgit Adels die Führung der EMI Music übernahm waren auch meine Tage gezählt.
    Doch was bleibt ist die Erinnerung. Vielen Dank für alles!

    Gruß Euer Conny

  2. Manfred schreibt:

    Naja…. sooooo ein Wehmuitsschmerz!!!

    macht Euch nicht verrückt – MACHT WAS!

  3. Pingback: Underground | Kasse4 – Live! Musik! Privates!

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