Große Emotionen – Nana Mouskouri, Maffay, Carpendale und Lindenberg sangen für Fritz Rau

Zum Glück ist die Kasse4 nicht stationär gebunden, sondern läßt sich auch unterwegs rasch aufbauen: Lest, was beim Festabend für die Konzertveranstalter-Legende Fritz Rau am 20. März in Frankfurt in der Alten Oper abging und warum Nana Mouskouri eine coole Tante ist. 

Wie es der Zufall so will, stand die Kasse4 zuletzt vor knapp sieben Jahren in der Alten Oper: Am 26. April 2004 erlebte sie mit einem Ticket und Fotopass (!) ausgestattet ein Konzert von Roger Whittaker und zog dann mit einem gewissen Vogel Herrn aus Bayreuth durch die Kneipen Sachsenhausens. Ersteres Event dürfte übrigens in der All-Time-Top-10 der lustvoll verbrochenen Perversionen an der Kasse4 ziemlich weit oben stehen – Roger Whittaker live, das hieß dorthin gehen, wo es weh tut, das zu erleben, was kaum ein anderes Kassenmodell des Baujahrs 1975 erleben will. Unvergessen bis heute übrigens Roger Whittakers stets entweder zum rechten oder linken Bühnenrand, aber nie direkt ins Publikum gerichteter Blick in der Alten Oper an dem Abend: Der Veranstalter hatte aus Kostengründen Whittaker nur zwei Teleprompter zum Ablesen der deutschen Texte auf die sehr breite Bühne gestellt! Ansonsten übrigens dennoch ein prima Auftritt, der kann das schon, der Roger, dachte sich damals die Kasse4. Was sie übrigens dazu inspirierte, später die vielbeachtete Theorie „Die Alten werden der Live-Markt der Zukunft sein!“ inspirierte, aber dazu ein andermal!

Roger Whittaker, die alte Socke, war leider nicht dabei beim Festabend, aber Fritz Rau hat ihn sicherlich auch bestimmt schon mal veranstaltet (Anmerkung: sogar bis 2002 fast ausschließlich, wie mit Leser Franz G. soeben versicherte), so wie er letztlich alle veranstaltet hat, die in den vergangenen 50 Jahren das deutsche Publikum erfreuten: Jazzer, Blueser, Popper, Rocker, Singer/Songwriter, Weltmusiker, alle. Der mittlerweile 80-Jährige ist der bekannteste deutsche Konzertveranstalter, für die Branche eine Ikone, für das Publikum Garant für gute Musik und unterhaltsamer Buchautor (für sein Buch „50 Jahre Backstage“ hatte auch die Kasse4 die Ehre, einen Beitrag beizusteuern) gleichermaßen.

Gleich geht es los!

Nachdem wir also geklärt haben, wer Rau ist, sei nun die Rede davon, was auf der Bühne zu sehen und hören war: Zunächst Gospel und Blues (unter anderem mit der United Blues Experience und ihrer fabelhaften Harp-Spielerin Beata Kossowska), dann extrem feiner Jazz mit der Barrelhouse Jazzband und dem Saxophonisten Emil Mangelsdorff und schließlich, etwas überflüssig, Ulla Meinecke (Schwamm drüber) und, dann ziemlich großartig: Nana Mouskouri. Die Sängerin, die mehr als 250 Millionen Platten verkauft hat, hatte eigentlich bereits ihren Rücktritt von der Bühne hinter sich, kehrte zu Ehren Fritz Raus aber noch einmal zurück. Schillernd, bezaubernd und mit großen Gesten sang sie zunächst „Le Ciel Est Noir“ (die Kasse4 lernte in dem Moment dazu, dass das eine Version von „A Hard Rains A Gonna Fall“ ist!), dann „Ta Pedia Tis Samarinas“ und schließlich „Sieben schwarze Rosen“ und „Weiße Rosen aus Athen“. Das Publikum hielt die Luft an und sprang dann wie ein Mann auf, um der großen Dame des Chansons Standing Ovations zu spenden. Pause in der Alten Oper.

The Godfather ...!

Nach Cola und Brezel gab es auf der Bühne die Big Band des HR zu sehen und hören, die mit den folgenden Solisten musizierte. Den Anfang machte Gitarrist und Sänger Jürgen Schwab, der mit der Hommage „Der Alte Fritz“ den einzigen Schleimkübel des Abends ausgoss – was will man einerseits von einem Song über Fritz Rau auch anders erwarten, andererseits wäre es aber sicher auch ein wenig subtiler und origineller gegangen, gell? Sei’s drum, danach war erneut Atem anhalten angesagt und der Mund sperrangelweit offen – Inga Rumpf interpretierte zunächst James Browns „This Is A Man’s World“ mit Stimmgewalt und Fulminanz, danach haute sie, sich selbst am Klavier begleitend, den Boogie „My Life Is A Boogie“ raus. Was für eine tolle, tolle, tolle Sängerin! Chapeau, Verbeugung, Applaus, nimm Dir aus der Kasse, was Du willst!

Udo Lindenberg!

Howard Carpendale (ordentlich), Udo Lindenberg (be-schwipst sorry beschwingt) und Peter Maffay beschlossen den Abend – mit ehrlichen Komplimenten an Fritz Rau und soliden Performances. Fazit: Ebenso historisch wie sympathischer Abend. Die Kasse4 schließt den Bericht mit den Worten von Nana Mouskouri: „I love you so much, you know that. Meine Liebe und mein Herz sind nur für Dich“. Fritz Rau forever! m.

Peter Maffay!

P.S.: Dass der Weg zur Alten Oper ausgerechnet am Abend des 20. März am Hauptbahnhof durch ein Gewimmel von hessischen und besoffenen Fußballfans, die der Meinung waren, dass es jemanden interessiert, dass ihr Sch…Verein gerade per Zufall den großen FC Bayern München besiegt hat, führte – war bitter. Und Nieselregen gab es auch. Jammer!

DAS PROGRAMM DES ABENDS

The Jackson Singers: „Lord you are good / Down by the riverside“ und King Jesus (Vickie Winans)

United Blues Experience: „Stormy Monday Blues“

Barrelhouse Jazzband: „Barrelhouse Showboat“ (Horst Schwarz)

Emil Mangelsdorff Quartett: „Blues forever“ und „The Song is You“ (Jerome kern)

Ulla Meinecke u. Ingo York (gt): „Ich bin zu alt“ (Dany Dziuk) und „Wenn wir Glück haben“ (Bernd Begemann)

Nana Mouskouri and Band: „Le Ciel Est Noir“ und „Ta Pedia Tis Samarinas“, danach Medley: „Sieben schwarze Rosen/Weiße Rosen aus Athen“

Jürgen Schwab und HR Big Band (HRBB): „Der Alte Fritz“

Inga Rumpf mit HRBB: „This Is A Man’s World“ und „My Life is a Boogie“

Howard Carpendale mit HRBB: „Samstag Nacht“ und „Astronaut“

Udo Lindenberg mit HRBB: „Das kann man auch so sehn“ und „Bis ans Ende der Welt“

Peter Maffay mit HRBB + Band: „Eiszeit“ und „Nessaja“

Und live bei der anschließenden Aftershowparty im Foyer: Vadder’s Finest, United Blues Experience, Special guest: Biber Herrmann (gt)
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Kasse4 bei „Musikmarkt & Musikmarkt LIVE“: „Musikalische Zeitreise für Fritz Rau in der Alten Oper Frankfurt“

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7 Antworten zu Große Emotionen – Nana Mouskouri, Maffay, Carpendale und Lindenberg sangen für Fritz Rau

  1. Jürgen Schwab schreibt:

    Hallo Kasse4,

    hat mich doch gewundert, dass du mein Lied als „Schleimkübel“ empfunden hast. Vielleicht hast du nicht richtig hingehört, denn es wird in jeder Strophe (außer der letzten) durchaus Kritik geübt bzw. menschliche Schwächen offenbart. Das würde sich sicher nicht jeder trauen. Als ich es Fritz vor einem halben Jahr zum ersten Mal vorgesungen habe, war ich ziemlich nervös. Danach hat er gesagt, „ich hör doch nicht nur die Worte und die Töne, sondern die Liebe dahinter.“ Natürlich: der große Tycoon und „Ajatolla Choleri“ wird von mir nicht besungen. Ich habe Fritz Rau kennengelernt, als er sich schon aus dem Konzertgeschäft zurückgezogen hatte. Das Lied ist darum ein liebevoll-augenzwinkerndes Altersporträt, nicht mehr und nicht weniger, und heißt demzufolge auch „der alte Fritz“. Übrigens – weil das auch ein wenig in deiner Kritik mitschwingt – wurde es von niemandem in Auftrag gegeben, sondern geschrieben, weil es mir ein Bedürfnis war. Wer den alten Fritz näher kennt, bescheinigt mir, dass ich ihn ganz gut getroffen habe. Und von wegen subtiler und origineller: hätte man also doch jemand beauftragen sollen? Genau dann wäre es aus dem Rahmen gefallen. Denn der Abend legte ein beeindruckendes Zeugnis davon ab, dass sämtliche Künstler bei aller stilistischen Verschiedenheit eines gemeinsam haben: dass sie authentisch sind und ehrliche, nämlich ihre Musik machen. Fritz steht auf den Song.

    • www.kasse4.de schreibt:

      Hallo Jürgen,

      danke für das Feedback – den Schleimkübel nehme ich zurück und entschuldige mich. Das war etwas über das Ziel hinaus geschossen. Die Geschmäcker sind glücklicherweise verschieden und mein Beitrag stellt nichts anderes als eine einzelne Meinung dar. Ein ehemaliger Kollege von mir echauffierte sich zum Beispiel über Nana Mouskouris Stimme an dem Abend, ich fand es dagegen berührend, herzergreifend und einfach großartig. Dass der Song in Auftrag gegeben wurde, habe ich nicht ansatzweise behauptet und hoffe nicht, dass es mitschwingt. Wichtig ist letztlich, dass Fritz einen wunderbaren Abend hatte, dass ihm die Veranstaltung Freude und Kraft gegeben hat und sich die Kinder der Tabaluga-Stiftung über die finanzielle Zuwendung freuen können. Also: Nichts für ungut und nochmal sorry!

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