„Unser Star für Oslo“, die achte: Lena Meyer-Landrut macht das Rennen

Tja, was soll man dazu sagen? Das Finale ist vorbei und es breitet sich Ernüchterung aus. Sieben Sendungen lag der Fokus auf der Auswahl des richtigen Kandidaten und nun ist dieser gefunden – aber der Song fehlt nach wie vor. Ich möchte nicht wissen, ob irgendjemand im Produktionsteam der Sendung auch nur ernsthaft an einen der vier präsentierten Songs glaubt – oder ob man sich bei Lena und Jennifer nun nicht eher entschuldigen muss, nach dem Motto: „Ihr habt einen guten Job gemacht, wir haben es verdaddelt“. Und sorry, angesichts der katastrophalen Qualität der ausgewählten Songs spielte es am Freitag abend keine Rolle mehr, ob Jennifer nun ein Trampel ist oder die neue Jennifer Rush und ob Lena nun die Kate Bush von Hannover oder doch ein albernes minderbegabtes Mädel ist. Das Grauen strahlte von den Songs zu den Kandidatinnen und nicht andersrum, wie man es von einigen der sieben Shows zuvor kannte.

Ach ja, die vier Songs stammen laut „Focus Online“ von internationalen Produzenten. Hört, hört. Es ist ein Jammer, aber andererseits liegt die Messlatte nun extrem niedrig: Wenn Lena mit „Satellite“ unter die ersten 15 kommen sollte, wäre das allein ihrem Talent geschuldet und nicht dem Song. Sogesehen kann sie nicht verlieren in Oslo, „Deutschland“ natürlich schon, weil ein ambitioniertes wie aufwändiges und gutgemeintes Konzept ein ähnliches Resultat zeitigen wird wie die Beiträge der Vorjahre. Raabs Team ist zu wünschen, dass er es nächstes Jahr wieder versucht. Dann aber mit Songs, die es verdienen, von tollen Talenten gesungen zu werden. m.

Die Songs und Interpreten im Kasse4-Urteil:

Runde 1 – Song „Bee“

Jennifer: Abgesehen davon, dass der Song stinklangweilig und ohne Nachhall ist, machte Jennifer die Nummer mit unfassbar subtilen Gesten (auf die Augen deuten, wenn es im Song um „eyes“ geht, mit dem Po wackeln, irgendwie versuchen, gewinnend und sexy zu schauen) wenigstens zum Slapstick.

Lena: Auch nicht entscheidend besser, im Gegensatz zu Jennifer arbeitete Lena zwar nicht mit der Subtilität eines Marschflugkörpers, ihre Interpretation wirkte dafür (abgesehen von der Nervosität) sehr, sehr affektiert und übertrieben. Der Gedanke an den bösen Spitznamen „Drogenfrosch“ kam wieder. „Bee“ wirkte so, als wenn Lena das beste aus etwas zu machen versuchte, aus dem man nichts machen kann.

Kasse4 Urteil Kandidatinnen: Unentschieden
Kasse4 Urteil Song: Großer Mist. Mit dem Song erreichen wir eine Platzierung zwischen 19 und 24.

Runde 2 – Song „Satellite“

Jennifer: Der Song ist zwar tendenziell besser als „Bee“, aber bis auf den Zeigefinger von Jennifer, der bei dem Wort „Satellite“ im Song des öfteren eine kreisende Bewegung beschrieb (s.o. zum Thema „Marschflugkörper“) ist der Kasse4 nichts in Erinnerung geblieben von der Performance. Die langen Töne beherrscht Jennifer, die tiefen … naja.

Lena: Schärfte den Song etwas an und überdrehte ihn stimmlich wie in der Performance, machte also das, was sie kann. Ranschmeißen nennt man auch das, aber auf eine andere Art wie Jennifer. Aus Müll Gold machen konnte Sie auch nicht.

Kasse4 Urteil Kandidatinnen: Erneut Unentschieden.
Kasse4 Urteil Song: Der Song könnte sich zwischen 17 und 22 platzieren.

Runde 3 – Jennifer mit „I Care For You“

Was für ein Schrottsong. Jennifer legte aber immerhin dergestalt zu, dass ihr Zeigefinger nun oft auf ihren Kopf und manchmal auch auf ihren Busen deutete (zum Beispiel, um das „I“ von „I Care For You“ zu visualisieren. Es ist übrigens durchaus schade, dass in diesem Fall der Song der Künstlerin im Weg stand und nicht umgekehrt. Da hätte Jennifer besseres verdient gehabt.

Runde 3 – Lena mit „Love Me“

Mit einem Song, der für 80 Prozent des Publikums zu vertrackt sein dürfte und essen Refrain schwach ist, tat sich Lena erneut schwer. So schwer, dass ihre Natürlichkeit, ihr gutes Aussehen und ihr Charme schon als einziges Pro-Argument herhalten müsste. Ihre Stimme definitiv nicht.

Kasse4 Urteil Kandidatinnen: Punkt für Jennifer.
Kasse4 Urteil Song: Punkt für „Love Me“, aber an sich: gleich bescheiden.

Zuschauervoting: Jennifer muss mit „I Care For You“ antreten und Lena mit „Satellite“.

Lenas „Satellite“: Auch beim dritten Mal hören ist aus „Satellite“ nicht ansatzweise als Hit erkennbar oder wenigstens als guter Song. Und bei Lena zeigte sich deutlich, dass sie die Songs, die sie singt, nicht spielen kann, sondern selbst leben und etwas dafür empfinden muss. Wenn dem so ist, verbinden sich bei ihr in solchen Momenten Charme, Talent, Können zu etwas Einzigartigem. Wenn dem nicht so ist, wirkt ihr Gehampel eher albern, ist der Drogenfrosch näher als der Shootingstar der deutschen Alterna-Pop-Szene.

Jennifers „I Care For You“: Stimmlich akzeptabel, was den Ausdruck angeht, ebenso perfekter wie beschränkter Mainstream: Nach dieser Darbietung blieben keine Fragen offen und der Abschied von der Illusion, dass Stefan Raabs Anstrengungen zu einem besseren Ergebnis führen werden, konnte beginnen. Nach der Nummer hatte die Kasse4 kapituliert und nur noch gehofft, dass die Sendung bald vorbei sein möge.

Die Quote: www.meedia.de schreibt: “Unser Star für Oslo“ lag mit seinen Werten von 4,50 Mio. Zuschauern und 2,50 Mio. 14- bis 49-Jährigen im Übrigen auch klar über den Zahlen des letzten normalen Vorentscheids für den Song Contest. 2008 sahen nämlich nur 3,48 Mio. bzw. 1,54 Mio. zu, 2009 gab es bekanntermaßen keinen Vorentscheid im Fernsehen.

Zuschauervoting: Lena Meyer-Landrut wird mit „Satellite“ nach Oslo reisen. Die Kasse4 wünscht ihr alles Gute und hofft, das sie die Klatsche, die sie dort erhalten wird, nicht davon abhält, weiter Musik für uns alle zu machen. Du bist mehr wert, Lena, als dieser Contest, meint die: Kasse4.

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10 Antworten zu „Unser Star für Oslo“, die achte: Lena Meyer-Landrut macht das Rennen

  1. Ein Atze schreibt:

    Also ich denke, zumindest die letzten 6 sollten zusammen nach Stockholm – pardon – Oslo reisen und „Das geht ab“ performen. Natürlich müssen sie zwei Töne ändern, damit es ein neuer Song ist, aber das passt schon. Optik der 6? Hair, Teil 2, würde ich mal sagen. Dann feiern wir vielleicht die ganze Nacht.
    Es ist nur tröstlich, dass der gesamte ESC über die Jahre hinweg nur einige wenige Songperlen hervorgebracht hat: Letztjahresgewinner Alex war wirklich ok, tatu vielleicht auch noch, aber davor müssen wir schon bis zu den Olsens zurück gehen (einer der ganz wenigen Songs, die heute noch Airplay bekommen). Insofern ist der gesamte ESC Mittelmaß, und das seit Jahren. Nena hat zwar als Jurorin versagt, aber ihre letzte Single schlägt alles, was Deutschland in den letzten Jahren in Sachen ESC „eingereicht“ hat.
    Und um dem Frevel noch einen drauf zu setzen: Sowohl Menowin als auch Mehrzad vom parallel laufenden DSDS hätten in Oslo mehr Chancen als die viel zu quirlig-intellektuelle Lena, die man mögen und verstehen muss. Die beiden Männer sind einfach „näher dran“. Wer’s nicht versteht, schaut morgen mal verstohlen bei Bohlen rein – iykwim.
    Und ein letzter Punkt: Wir aus D beweisen derzeit natürlich auch im alltäglichen Musikgeschäft (und das auch mit großen Namen) einen unendlichen Hang zur langen Weile: Egal ob Rap/HipHop, Dance oder Pop oder oder oder – das ist schon hart belanglos. Insofern spiegelt USFO uns doch recht passabel wider.

    • www.kasse4.de schreibt:

      Guten Morgen, klasse Kommentar, danke – pflichte Dir bei. Letztlich ist es ja auch nicht von nationaler Bedeutung, ob „wir“ beim ESC gut performen oder nicht. Lena wünsche ich eine gute Band mit guten Ideen, Jennifer viele gutbezahlte Auftritte 🙂

  2. Bernd Flohr schreibt:

    Allgemein kann ich mich der Meinung von Kasse4 anschließen,wirklich ein Schrottsong.
    Hinzufügen möchte ich noch,das jemand,der in einer Livesendung mitten im Song“verdammte Scheisse „schreit-und zwar egal aus welchem Grund,auf keiner Bühne etwas zu suchen hat.
    Die Lieblingsausdrücke dieser Abiturientin scheinen sich überhaupt mit „derbe“ und „tierisch“
    bereits erschöpft zu haben.
    Die Rechnung wird in Oslo präsentiert

  3. Wolfgang schreibt:

    So drastisch hätte ich es nicht ausgedrückt, aber wenn das das Beste aus tausenden von Vorschlägen nationaler und internationaler Top-Songwriter war, dann will ich die nächsten Jahre keine Pop-Musik mehr hören. Oder wenigstens nur noch von Bands, die ihre eigene Musik schreiben.

    Aber Wolfgang Dalheimer, Stefan Raab (und hoffentlich niemand von Universal) können noch am Arrangement feilen, Lena wird den Song für sich auch noch ein paarmal neu erfinden und Spaß dran finden, aus ‚Kackwürsten‘ Gold zu machen. Mit welcher dieser Interpretationen sie dann in Oslo antritt, wird wahrscheinlich sie selbst 15 Minuten vor ihrem Auftritt noch nicht wissen. Also nicht so pessimistisch bitte!

    • www.kasse4.de schreibt:

      ich drück Ihr die Daumen und freue mich umso mehr, wenn sie mit dem Song den ESC gewinnen würde. Ich glaube halt nicht dran, aber das macht gar nichts 🙂 Kassenpersonal sollte eh immer misstrauisch sein 🙂

  4. suednordost schreibt:

    Ich konnte das Finale am Freitag nicht kucken, habe es aber aufgenommen. Allerdings habe ich mir nur Lenas Auftritte angesehen, weil ich Jennifer langweilig finde und mich das Gequatsche von Stefanie Kloß und Xavier Naidoo nicht interessiert. Ich fand die Lieder allesamt sehr schwach. Allerdings muss ich zugeben, dass ich, seit ich Satellite zum zweiten Mal gehört habe, einen Ohrwurm vom Refrain habe. Aber ich denke nicht, dass Lena damit beim Grandprix viel erreichen wird. Schade, dass die ihr kein besseres Lied gegeben haben.

  5. palmenstrand schreibt:

    Heute schliesse ich mich Ihrem Beitrag voll an – vielen Dank für die Beschreibung der Sendung – bei „bee“ hätte ich am liebsten wieder ausgeschalten – Jennifers Darbietung hat dazu eingeladen, den Raum zu verlassen – und Lena, so goldig sie ist, so richtig super wars halt doch nicht.
    Immerhin fand ich „bee“ und „satellite“ einigermassen eingängig.
    So richtig klar, wie wenig spektakulär das Ganze ist, wurde es mir aber dennoch erst, als ich die Einspieler der anderen Länder gesehen hatte. Die paar Sekunden Irland haben mich voll berührt,…

  6. Nina schreibt:

    Du hast aber mal sowas von ins Schwarze getroffen mit der gesamten Kritik! Ich hab allerdings nur nebenbei beim ersten Durchgang die Songs gehört und war wirklich mehr als ernüchtert.

    • www.kasse4.de schreibt:

      Hi Nina, danke, ich frage mich, wo ich sonst so hintreffe mit meiner Kritik 🙂 Spaß beiseite, ich war richtig sauer an dem Abend und dachte mir, dass da sieben Sendungen lang mit allem Klimbim auf Kandiatensuche gegangen wird und dann solche … Songs plötzlich im Raum stehen. Arme Lena und selbst für Jennifer kann ich Mitleid aufbringen, denn „ihr“ Song war ja auch nur Mist. Insofern: We’ll see und gehen zur Tagesordnung über 🙂

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