Pfeif‘ auf Chart-Hits, mit Abmahnungen macht man mehr Reibach!

Dass in der Überschrift dieses Blogbeitrags „Reibach“ steht und nicht „Profit“, „Gewinn“ oder „Geld“, hat seine Gründe. Soweit ich weiß, kommt das Wort aus der Ganovensprache. Was aber keineswegs heißen soll, dass die Beteiligten der Story „Hier spielt die Musik“ (SZ vom 27.02.) unlautere Absichten haben, sicher nicht. Im Gegenteil: Alles gute Leute, der Top-Produzent Moses Pelham, der Top-Anwalt Udo Kornmeier (bekannt aus dem Rechtsstreit von Moses Pelham gegen Xavier Naidoo), die Top-Konsumenten, die dieser Tage mit den beiden Kontakt haben.

Johannes Boie schreibt in dem äußerst lesenswerten Stück über die seit einiger Zeit gängige Praxis, dass Benutzer von illegalen Tauschbörsen abgemahnt werden. Im Auftrag der Tonträgerindustrie, die wiederrum Rechteinhaber der getauschten Songs ist. Soweit, so bekannt beziehungsweise unangenehm für die sprichwörtliche Omma, die sich einen Song der Herzbuben runterlädt (oder das ahnungslose Kid, den rechtschaffenen Handwerker, die unbedarfte Hausfrau etc. pp). Die Gegenargumente der Industrie kenne ich auch alle und die meisten sind auch berechtigt. Doch das ist eine andere Baustelle.

Neu ist, und Johannes Boie gebührt Ehre für die Recherche, dass ein bestimmter Musiker mittlerweile entdeckt hat, dass sich mit Abmahnungen mehr Geld verdienen läßt wie vielleicht mit Musik. Laut „SZ“ ist dies Moses Pelham, demnach einer der Eigentümer der Firma Digiprotect, die wiederrum den renommierten Frankfurter Anwalt Udo Kornmeier mit dem Abmahnen beauftragt hat. Geschäftsmodell ganz einfach: Digiprotect erhält den Auftrag vom Inhaber der Rechte an einem Song, mal im Internet zu schauen, ob es illegale Kopien gibt. Digiprotect recherchiert und gibt das Thema an den Rechtsanwalt, der die Abmahnung raushaut. Der Empfänger bekommt zurecht Angst und zahlt. Wie es jetzt weitergeht, muss man sich selber zusammenreimen.

Mit fällt zu dem Thema nichts mehr ein, Schweigen ist vielleicht aus dem Gebot der Höflichkeit noch das Allerbeste. Und doch regt sich mein gesunder Menschenverstand, der gerade einwirft, in welchem Zustand die Tonträgerindustrie in Deutschland denn sein muss, dass ein Musiker ernsthaft ein Geschäftsmodell draus macht, seine Kundschaft (direkt oder indirekte Kundschaft) abzumahnen.

Passend dazu gibt es Branchenzahlen aus Australien, die zeigen, dass nicht alle Märkte weltweit rückläufig und die Probleme der deutschen Tonträgerbranche weltweit vorhanden sind. Laut „Pollstar“ hat der australische Markt zum ersten Mal seit sechs Jahren ein Plus verzeichnet und wuchs 2009 um 4,8 Prozent. Der Markt mit digitaler Musik legte um 46 Prozent zu, der Anteil von Downloads an allen Verkäufen wuchst von 4,35 Prozent auf 7,5 Prozent. Mal sehen, welche Zahlen demnächst in Deutschland veröffentlicht werden.

Ich lass das einfach mal so stehen. Wiegesagt, viel fällt mir dazu nicht mehr ein.

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