Santana – Shaman

VÖ: 21.10.2002
Label: Arista/BMG Ariola München

Der Herbst und Winter ist traditionell nicht nur für den Einzelhandel, sondern auch für die Plattenfirmen eine Zeit erhöhter Aktivität: Allerorts werden die Zugpferde und Aushängeschilder ins Rennen geschickt, stapelt sich in den Plattenläden eine Sammlung von hochkarätigen neuen Alben. Bislang setzten unter anderem Elvis und die Rolling Stones mit Best-Of-Veröffentlichungen Erfolgsmarken, Peter Maffay trat mit einem neuen Tabaluga-Abenteuer an; Herbert Grönemeyer schwebt seit Wochen über den Dingen und eilt von Verkaufsrekord zu Verkaufsrekord. Zur illustren Gruppe in den Spitzenregionen der deutschen Charts gesellen sich seit kurzem auch zwei amerikanische Altmeister der Rockmusik: Tom Petty (52) und Santana (55) haben mit „The Last DJ“ beziehungsweise „Shaman“ neue Alben veröffentlicht.

Carlos Santana glückte im Jahr 1999 etwas, wovon viele Altstars nur träumen: Er feierte mit „Supernatural“ ein überwältigendes und wahrhaft „übernatürliches“ Comeback, das sich weltweit mehr als 25 Millionen Mal verkaufte. Eigentlich war der Nachfolger des Millionen-Albums schon für Frühjahr vorgesehen, bis zur Veröffentlichung dauerte es dann ein paar Monate länger. „Shaman“ greift auf das Erfolgskonzept von „Supernatural“ zurück – Carlos Santana hatte sich damals prominente Partner für diverse Duette ins Studio geholt, unter anderem waren dies Wyclef Jean („Maria, Maria“) und Rob Thomas („Smooth“). Auf der aktuellen CD, übrigens die dreißigste seiner Karriere, nehmen an der Seite des Ausnahme-Gitarristen unter anderem Künstler wie Macy Gray, Dido und Placido Domingo Platz. Santana zündet mit den insgesamt 16 Stücken ein Feuerwerk an Emotionen. Einzelne Stücke herauszuheben, fällt schwer. Einer der Höhepunkte ist aber mit Sicherheit die fantastische Singleauskopplung „The Game Of Love“, die Santana im Duett mit Michelle Branch absolviert.

Rockstar Tom Petty hat es im Laufe seiner Karriere bislang zwar „nur“ auf 14 Alben gebracht, aus der Musikgeschichte ist der Sänger und Songwriter mit der nasalen Stimme und dem ebenso einfachen wie kraftvollen Rocksound aber nicht wegzudenken. Hits wie „Mary Jane’s Last Dance“ oder „Free Fallin'“ werden auch hierzulande immer noch gern und häufig im Radio gespielt. Auf der aktuellen CD „The Last DJ“ zeigt Petty zusammen mit seiner Band The Heartbreakers, dass seine Schaffenskraft auch nach über 25 Jahren noch ungebrochen ist. Egal ob Petty melancholische Balladen wie „Like A Diamond“ oder melodisch sehr abwechslungsreich angelegte Midtempo-Nummern wie „Money Becomes King“ spielt, das Ergebnis ist erstklassig. Blues-Elemente und verführerische Grooves machen „The Last DJ“ zu einer hörenswerten Veröffentlichung, mit der Tom Petty locker an alte Erfolge anknüpfen wird. Auch inhaltlich hat der Sänger und Songwriter einiges zu bieten, Petty nimmt die Position eines wütenden alten Mannes ein und wettert anspielungsreich und intelligent gegen die Musikindustrie, gegen die Popkultur ganz allgemein und das Gefühl von Überdruss zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Sowohl „The Last DJ“ als auch „Shaman“ haben also beste Voraussetzungen, sich im Weihnachtsgeschäft zu behaupten, und mit qualitativ hochwertiger Musik ein Zeichen zu setzen gegen die oftmals beklagte und leider zutreffende Tendenz zur Retortenmusik. m.

Tom Petty & The Heartbreakers – The Last DJ (Warner Bros./wea)
Veröffentlicht am: 7. Oktober

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